Tango im Treibsand mit Käptn Peng & die Tentakel von Delphi im Täubchenthal

geschrieben von Heike

15.06.2019 – Käptn Peng & die Tentakel von Delphi – Täubchenthal Leipzig

Schublade Hip Hop auf, Heike rein

Die Schublade ist gerade meine. Von Maeckes über Casper zu Seeed zurück zu Fiva hin zu Moop Mama und dazwischen ganz viel Käptn Peng…ungefähr in diesen Gefilden bewegen sich zum Großteil seit Monaten immer mal wieder meine Spotify-Streams. Natürlich bleibt die Begeisterung für andere Schubladen nach wie vor groß, so dass ich hier und da auch mal hängen bleibe. Na egal. Zu Käptn Peng…

Schon ewig hatte ich diesen Termin in meinem Facebook-Eventkalender abgespeichert, ohne dass ich wirklich konkrete Pläne hatte zu diesem Konzert zu gehen. Denn ein anderer für mich sehr wichtiger Termin stand über allem. Aus Gründen, die ich jetzt gar nicht mehr nachvollziehen kann, habe ich mich aber gegen das Stillen der Ostsee-Sehnsucht und für den Käptn entschieden. Die Ostsee schwimmt ja nicht weg, oder?

Nach einer kurzen Nacht, mit ganz viel Emotionen und einer irrsinnigen Vorfreude Huckepack, machte ich mich auf nach Leipzig. Das Täubchenthal war dabei für mich eine Premiere. Und was soll ich sagen, als ich den Hof des Clubs betrat war ich sofort putzmunter und voll im Festivalfieber. Ich muss es euch erklären: Wohlig warme 27 Grad und Sonnenschein, ein leichter warmer Sommerwind bläst uns um die Ohren, Vögel die Erde essen, Menschen die Bier trinken, in kribbeliger Erwartung auf mehr. Feelings pur.

Apropos Vögel die Erde essen

Da ihr Leser unseres Blogs bekanntlich gute Musikkenner seid, werdet ihr alle wissen, dass hiermit keine Spatzen oder Tauben gemeint sind, sondern die Berliner Band „Vögel die Erde essen“. Bestehend aus Moritz Bossmann (Sänger und Gitarrist, ebenfalls Gitarrist von Käptn Peng), Jan Preissler (Bassist und Sänger) und Oli Friedrich (Schlagzeuger) kommen sie irgendwie ziemlich minimalistisch daher, aber nichts desto trotz fulminanter als erwartet. Ich mag diesen funky-punkigen, deutschen Indie-Rock-Style ja total, deshalb kannte ich die Band natürlich auch schon und war auch von ihrem Live-Auftritt mega angetan. Und noch heute singe ich: „Nimm mich mit auf deinem Moooooped.“

Hört einfach mal rein. Das zweite Album „Die Goldene Peitsche“, welches im April erschienen ist, gibt´s auf allen Streamingportalen!

Käptn Peng & die Tentakel von Delphi im Täubchenthal

Ich weiß noch ganz genau wann mich Käptn Peng erwischt hat: Es war ein Scheiß-Tag, ein Tag wo man alles was man so tut in Frage stellt, wo man sich selbst auf den Prüfstand stellt, reflektiert und sich oft eingestehen muss, dass das Leben nicht immer schön ist und in diesem Gedankenkreisel kam der Käptn mit dem Song „Liebes Leben“ um meine trübsinnige Ecke geschlichen. Peng!!! Und der Trübsinn war dahin.

„Liebes Leben, manchmal bist du…
…wie ein Haufen Scheiße in einer Cornflakes-Packung,
die singen müssen auf der eigenen Bestattung.
die Brockhaus lesen in einer fremden Sprache.“

Liebes Leben – Käptn Peng & die Tentakel von Delphi

Diese Zeilen heilten, genauso wie viele andere Textfragmente aus den vielschichtigen Texten des Käptn Peng. Beispiele folgen. Mein Kopf, also mein Gehirn in meinem Kopf, ist definitiv schon etwas älter als die meisten der Köpfe, die ich vom Fotograben aus in der ersten Reihe beobachten durfte. Wie kann man sich diese Texte nur merken? Wie kann man jede einzelne Zeile so textsicher mitsingen, wie es die losgelösten Fans beim Konzert taten? Welche Technik wenden sie an, um diese Songs auswendig zu lernen? Bitte verratet es mir. In meinem Kopf verankern sich wieder nur Fragmente:

„Wir küssen. Die anderen machen Mund-zu-Mundverarschung“
„Mein Herz trägt deinen Namen, mein Körper deinen Geruch“
„Doch dass was du bist, ist das was du vermisst, denn du bist die wichtigste Person, die du je treffen wirst, der einzige Mensch der dich jemals retten wird.“
„Also kehren wir zurück an den Ursprung des Ursprungs des Ursprungs des Ursprungs zurück an den sogenannten Eisprung des Ursprungs.“
„Er mag sie und sie mag ihn, sie mögen sich.“

Und das ist nur ein Bruchteil der Fragmente. Ich kann euch nur eine Empfehlung geben: Hört selbst rein. Und hört wirklich hin, ganz genau und denkt dran Musik heilt. 😉

Und hier bin ich schon bei einem kleinen Wehrmutstropfen: Denn der Sound am rechten äußeren Rand im Hof des Täubchenthals war etwas schwach, Texte waren kaum zu verstehen, der Beat gelangte nicht in die innersten Umlaufbahnen des Körpers. Aber die Stimmung war gut, die Gesellschaft nett und der Weg zur Bar nicht weit. Irgendwann hielt ich es allerdings nicht aus und wechselte meinen Platz, um mir die volle Käptn Peng Power zu gönnen. Und so kam die „Sockosophie“ wie gerufen, um mich und meine nachbarschaftlichen Mittänzer mit voller Wucht zur Extase zu begleiten.

Fazit

Musiker der besonderen Art, mit Texten der verrücktesten und liebevollsten Art, zaubern ein Live-Erlebnis der abgefahrensten Art in meine kleine Konzert-Umlaufbahn und hiermit küre ich dieses Konzert unter die Top 5 der besten Konzerte 2019 und wohlgemerkt – es ist gerade mal Juni.

Vielleicht darf ich ja noch ein Konzert des Käptn und seiner Tentakel erleben, vielleicht haben sich bis dahin auch ein paar mehr Textfragmente in meinem Kopf verknotet…und während ich diese Zeilen schreibe hat es wieder gefunkt. 1234 Peng Peng Peng. Aaaaah…

In verpengter Hochachtung
Heike

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