KLEZ.E – Mein persönlicher November Tanz im Ostpol

KLEZ.E – 07.03.2017, Dresden, Ostpol –

Das war mein Konzert! Das gehörte nur mir. Niemand konnte es mir nehmen. Niemand! Mein ganz persönliches Abschiedskonzert. Und ich habe es ganz tief in mir drin abgespeichert, weggeräumt und abgeschlossen. Und dort wird es immer bleiben. Für kein Ablass der Welt gebe ich es jemandem heraus. Vielleicht werde ich manchmal, aber nur für mich, die Erinnerungen daran wieder hochschaufeln und auf Lunge nehmen, mich von den vergangenen Gefühlen auspeitschen lassen, um zum Schluss mit einem lachenden und einem weinenden Auge dazusitzen.

Klez.e waren in der Stadt. In meiner Stadt. Mastermind Tobias Siebert und seine Musiker Daniel Moheit (Keys, Bass) und Filip Pampuch (Drums) baten im Ostpol zum Abriss. Nein, natürlich wurde nichts abgerissen, aber die Songs der neuen Platte Desintegration haben schon etwas düsteres, bedrohliches oder endzeitreskes.

Ich hatte zu diesem Album schon einmal meine Gedanken in einem Auf Vinyl beschrieben. Sämtliche, von anderen gewollte Vergleiche mit der Band von Mister Smith möchte ich völlig ausblenden. Diese Musik habe ich selten gehört und mir fehlt dazu der Bezug. Ich kann demzufolge auch nix vergleichendes schreiben. Will ich auch gar nicht. Das hier und jetzt mit Klez.e war das alles entscheidende für mich. Und sie starteten mit Drohnen. Gefolgt von Schwarz. Und dann hatte er den Saal. ANTIDEPRESSIVA.

Wenn es regnet, geh’n die Kinder spielen, in Trümmern vor dem Haus.
Wenn es regnet, geh’n die Kinder spielen, die Drohnen bleiben aus.

Ich mag die Art von Tobias Siebert einfach. Seit dem Konzert im Beatpol von And the golden Choir bin ich verzaubert von ihm. Er macht mir Spaß, er holt mich ab. Er impft mich. Er regt mich zum Nachdenken an. Er hat das gewisse Etwas, was es in meinen Augen braucht, um aus der Masse hervorzustechen. Mystisches trifft auf Banales. Bedrohlich hämmerndes kämpft mit einfachen Spielereien im Regen. Gehört bei Drohnen. Unendliches kassiert Kurzweiliges. Die Zeigefinger hebende Geschichte warnt die Gegenwart. Der Aufruf zur Rebellion. Versteckt hinter wummernden Bässen. Zufinden bei Mauern. Volk, kämpfe. Setz dich zu Wehr.

Und natürlich macht auch er nicht halt vor der Liebe. Nein, natürlich nicht. Gespürt im November. Nähe trifft auf verglühende Liebe. Das Loslassen ergibt sich dem Festhalten.

Und dein Sog, aus dem du fällst, uns nicht aushältst
Und dein Sog, aus dem Tränen Salz, ich fühl mich hier falsch
Und dein Sog, aus dem du fällst, uns nicht aushältst
Und meine Sog, auf Krieg fehlt

Meine Erwartungen waren hoch. Meine Emotionen fuhren Achterbahn. Vor dem Konzert, währenddessen und danach. Die Wellen ebbten nicht ab. Und ich wehrte mich nicht dagegen. Im Gegenteil. Ich nahm alle Emotionen mit. Ich machte daraus meinen eigenen Abschiedscocktail.

Zwei Verlängerungen durfte der fast ausverkaufte Ostpol an diesem Abend genießen. Klez.e in Dresden. Es war wie ein wahr gewordener Traum. Die Instrumentation an diesem Abend war etwas ausserhalb meines Films. Ob nun zwei Bässe wummerten oder gänzlich fehlten. War egal. Ob E-Gitarre mit Keyboard verschmolz, war egal. Sind die Geschichten, welche Tobias Siebert erzählt, gleichzeitig vollkommen und mit Absicht nicht zu Ende erzählt? Sie lassen Gedanken zur Interpretation zu und manche Analogien zum eigenen Leben erhaschen. Ehrliche oder eingebildete. Welchen Anteil trägt eigentlich meine eigene Verletzlichkeit? Ich weiß es nicht. Meine Erwartungen wurden erfüllt. Komplett. Und ich möchte mich vor Tobias Siebert und Klez.e verneigen, danke sagen. Bis zum nächsten Mal. Ich brauche euch noch.

Torsten

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