Priests – Kurzer und schmerzloser Punk-Rock – Ein Konzertreview

PRIESTS – 09.06.2017, Scheune, Dresden –

Punk-Rock – Made in America

Die Scheune, Kulturzentrum inmitten der bunten Neustadt, hatte mit einem Mix aus Punk, Alternative-Rock zum Kopfnicken und Ohren durchpusten geladen. Ging da vielleicht sogar noch mehr? Wie sich im Nachgang für mich herausstellte, waren die einzelnen Teile des Sounds der Priests eine für mich mutige – für die Band sicher kompromisslose – Wahl an Elementen, wie ich sie bis dato noch nicht live im Gehörgang vereinen durfte. Die politische Infiltration der Texte  (überall nachlesbar) der Priests ist absolut gegeben und sicher für die vier Washingtoner (geil) im weitverzweigten Netz punkiger Subkulturen als Triebfeder unabdinglich. Hier möchte ich dieses aber vernachlässigen.

Apropos Gehörgang. Die angesetzte Vorband Purling Hiss – eine Kombination aus 90er Alternativ-Rock, Grunge und College-Rock – war so laut, das ich meine Bier nach gefühlten 6 Minuten draussen an der Bar weitergetrunken habe. Leadgitarrenlinien, welche zweifelsohne vorhanden waren, kamen kaum zum Geltung. Der Gesang war dazu so schneidend und tat mir im Kopf weh. Purling Hiss passte genauso zu den Priests, wie Rosenkohl zu einem Rumpsteak.

Punks are not dead

Aber zurück zu den vier Pfaffen. Die in vorderster Front aktive und nimmer müde Sängerin Katie Alice Greer schien – als verifiziertes Energiebündel der vier Amerikaner – Pausen gänzlich überzubewerten. Sausend von links nach rechts, nach vorn und wieder zurück attackierte sie geschlagene 45 Minuten (ein sehr kurzes Konzert) das Scheune Publikum. Die Vorstöße waren selbstredend nur stimmlich. Lag für meine Begriffe der Fokus in der ersten Hälfte des Auftrittes noch auf einer ausgewogenen Kombination zwischen Instrumenten und Stimme, hatten im zweiten Teil die Anteile der Schreiattacken von Ms. Greer deutlich die Nase vorn.

Nicht so schön, wie ich fand. Die Balance ging verloren. Eine persönliche Ansicht.

Aber es war ja nicht alles – na sagen wir „verbogen“. Außerordentlich hoch halten möchte ich die herrlichen Refrainrutschen im ersten Teil des Konzertes. Die waren mitreißend.

Und der Kopf so: „Tanzen?“
Und die Beine so: „Tanzen!“

Das war klasse! An manchen Stellen dachte ich sogar an Filmmusiken aus den Tiefen der Tarantinos. Zum spröden Charme trockenen Punks gesellte sich die weiche Note bekannter Filmmusiken. Charming! Ich möchte sogar soweit gehen und den Gesang als lieblich, gerade zu anschmiegsam bezeichnen. #Hörempfehlung dazu ist Jj. Schade, dass das Konzert diese Ausprägungen der Kombinationen nicht durchgehalten hatte.

Unantastbarer Höhepunkt für mich war ein Song (leider weiß ich den Titel nicht) in welchem Drummerin Daniele Daniele den Rhythmus knallhart hochhielt und ihrerseits gesanglich das Mikrofon vermöbelte. Grandios. Sie stand Frontfrau Greer in nix nach. Agressiv, druckvoll und peitschend. Der Rest der Band machte ihr in diesem kurzen Moment pastoral Platz. Musikalisch versteht sich!

Fazit

Halten wir fest: liebliche Nuancen und gallige Sangeskunst glänzten auf feurigen Refrains mit hamonischen Zwischentönen. Packend, aber auch anstrengend, zu mindestens für meinen Kopf. Diesen Zwiespalt konnte ich an diesem Abend nicht ganz überbrücken.

Euer Torsten

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