-geschrieben von Sandra –
Plewka & Schmedjte l 19.02.25 l Mon Ami Weimar
Ganz anders als (von mir!) erwartet war der Abend mit Plewka & Schmedtje im MonAmi in Weimar.
Natürlich war ich zu dem (gar nicht mehr so neuen) Musikprojekt des früheren Selig-Sängers Jan Plewka mit DIESER STIMME im Ohr angereist – und soviel vorweg: DIESE STIMME ist immer noch da und geht noch genauso unter die Haut wie zu den besten Selig-Zeiten Ende der 1990er 😉

Copyright: Heike Schmidt (Zweikanal Music)
Und natürlich hatte ich auch in das neue Album „Between the Lights“ hineingehört. Genau wie das Vorgängeralbum „Between the 80s“ enthält es einen bunten Reigen an zeitlos-schönen Evergreens der Musikgeschichte – von Queen und Madonna über David Bowie und Michael Jackson zu den Doors und Simon & Garfunkel – in wunderbaren Acousticversionen, allein mit Schmedtjes Gitarre und – ja – DIESER STIMME. Grandios. Diese sanften Arrangements von Songs, die eigentlich jeder kennt – das ist fast so, als ob man alte Freunde nochmal ganz neu kennengelernt. Unbedingt reinhören! (Anspieltipp: Let’s Dance aus Between the 80s)
Es war also (eigentlich) alles angerichtet für einen schwelgerischen Abend mit diesen wunderbaren Liedern und einer melancholischen Grundstimmung von „Was waren das für schöne Zeiten“. Aber es kam anders. Und in gewisser Hinsicht kam es damit besser.
Denn die beiden hatten sich da was überlegt für diesen Abend im ausverkauften MonAmi-Saal…









Copyright: Heike Schmidt (Zweikanal Music)
Es solle ein Konzert zwischen dem Diesseits und dem Jenseits werden, erzählt der zum Plappern aufgelegte Plewka, noch dazu ein interaktives Erlebnis, bei dem das Publikum den Programmablauf bestimmt. Doch es gebe eine klare Regel: Sobald aus dem Baumwollbeutel mit Bierdeckeln voller Songs aus dem 341 Titel umfassenden Repertoire eine bestimmte Karte gezogen würde, sei das Konzert vorbei und das irdische Leben gleich mit. „Wir wollen den Schleier ins Jenseits heute etwas dünner machen“, kündigt der 55-Jährige grinsend an. Das neue Album sei schließlich eines mit Liedern über den Tod (war mir bis dahin noch gar nicht aufgefallen!). „Und der kommt ja auch immer unerwartet.“
Doch keine Sorge: Ganz so morbide, wie sich das anhört, wurde es denn doch nicht. Wir starten mit durchaus lebensbejahenden Songs wie „Mrs. Robinson“ (Simon & Garfunkel) „Material Girl“ (Madonna) oder „Wild Boys“ (Duran Duran) in den Abend. Beim Rio Reiser-Klassiker „Halt dich an deiner Liebe fest“ singt direkt der ganze Saal lauthals mit und bei der Chaka Khan-Hymne „Ain’t Nobody“ wird es bestimmt trotzdem einige gegeben haben, die dachten: Was waren das noch für schöne Zeiten…
Was mir besonders gefiel: Das perfekte Zusammenspiel von Schmedtjes Akustik-Gitarre und der rauchig-gefühlvoll-rockig-sanften Stimme von Jan Plewka haben die Songs genau auf das zurückgeführt, was sie sind: Wunderbare Musik. Anrührend. Herzerwärmend. Hoffnungsfroh.


Copyright: Heike Schmidt (Zweikanal Music)
Allzu rührselig wurde es trotzdem nie. Plaudertasche Plewka unterhielt uns mit fast schon komödiantisch-sketchartig daherkommenden Monologen über seine Jugend, das Musikbusiness, Zeiten der Armut, Tage des offenen Sarges in Wien oder auch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von CDs in Zeiten von Streamingdiensten („Man kann unsere CDs auch in die Bäume hängen gegen die Vögel.“) Zwischendrin legte er einen begeisternden Glamour-Disco-Table-Dance aufs Bühnenparkett und animierte das Publikum zum Mitsingen und Klatschen. Ab und an durfte auch Sidekick Schmedtje mal als Stichwortgeber fungieren und z.B. „Rätsel über berühmte letzte Worte“ lösen. Kurzum: Wir wurden bestens unterhalten und haben tatsächlich häufig Tränen gelacht! Wer hätte das erwartet an einem Abend mit Liedern über den Tod?!
Das änderte sich glücklicherweise auch nicht, nachdem die unselige verbotene Karte gezogen war, das Konzert erstmal endete und wir uns nach einer Pause im Jenseits wiedertrafen: Die Künstler nun in einem merkwürdigen Gerippe-Outfit und mit Wasser statt Bier, Plewka plötzlich mit Brille, Requien verlesend und manche Vertonung literarischer Texte darbietend („Der Tod muss ein Wiener sein“). Nun ja, ich bin ehrlich: Das hätte ich nicht gebraucht.
Doch sobald sich die beiden wieder auf Instrument und Stimme besannen, hat mich die Musik sofort wieder versöhnt… Denn der zweite Konzertteil enthielt mit „Zauberland“ von Rio Reiser, „Wonderful Life“ von Black und „Sound of Silence“ (Simon & Garfunkel) die ergreifendsten Stücke des Programms und mit „Show must go on“ von Queen und „Killing me Softly“ von den Fugees die für mich überraschendsten Interpretationen des Abends.
Standesgemäß endete das Konzert dann auch mit „The End“ von den Doors – von Plewka & Schmedtje in nachdenklich-ruhigen Moll-Tönen umgesetzt, langsam, bedächtig, mit viel Raum für eigene Gedanken und Gefühle. Entsprechend lange dauerte es denn auch, bis nach den letzten Tönen der tosende Applaus aufbrandete. Wir hatten einen besonderen Abend erlebt, der noch lange nachhallen wird.
Eure Sandra