Herrenmagazin im Café Wagner in Jena

-geschrieben von Sandra-

Herrenmagazin l 13.02.26 l Café Wagner Jena

Meine Güte (oder – aus gegebenem Anlass – meine Herren?!) – was für ein furioser Abend! 

Herrenmagazin im Café Wagner in Jena, das war gleich in doppelter Hinsicht ein Comeback. Denn die Indie-Rocker aus Hamburg melden sich gerade nach mehr als zehnjähriger Pause zurück auf den Bühnen dieses Landes. Und der legendäre Jenaer Studentenklub meldet sich nach – endlich endlich – beendeten Bauarbeiten zurück an seiner angestammten Location. Bilanz nach einem durchtanzten Abend mit viel zu viel Bier: Neustart geglückt. Für alle beide… 😉

Copyright: Heike Schmidt (Zweikanal Music)

Bestens in Sachen Mitsingen, Mitwippen, Klatschen und Tanzen vorgewärmt wurden Heike und ich durch den klasse Support Uli Sailor an seinem Punkrock-Klavier. So hatte Herrenmagazin von Beginn an leichtes Spiel mit uns und den geschätzt 200 Gästen im ausverkauften Wagner. „Wir singen erstmal und quatschen später“ gab Frontman Deniz Jaspersen gleich zu Beginn die Parole für den Abend aus. Na gerne doch. Und so ließ das Quartett einfach seine drei Gitarren und das Schlagzeug von Rasmus Engler beben und ließ gut gelaunt einen Kracher nach dem anderen vom Stapel. 

Schon bei den ersten Songs zeigt sich: Ob das bald 20 Jahre alte „Fahnen“ oder „Halbleere Worte“ aus dem neuen Album – Herrenmagazin steht weiter für rockigen Sound mit starken Texten und klarer Haltung. Die neuen und alten Titel fügen sich mühelos zu einem tolle Set zusammen und die Jungs auf der Bühne haben so sichtlich Spaß daran, gemeinsam zu performen, dass sich das schnell aufs Publikum überträgt. Spätestens mit dem Kultsong „Lnbrg“ springen und pogen die ersten Reihen in einem wilden Moshpit durch die Nacht. 

Dazwischen gibt es glücklicherweise immer mal ein paar Atempausen. Entweder weil der Bass von Paul Konopacka den Geist aufgibt und Rasmus Engler notgedrungen die Stimmpause mit launigen Plaudereien füllt – über die in den Straßen von Jena erfolglos gebliebenen Suchen (erst) nach einem Briefkasten und (später) nach einer Näherin für seinen geliebten Parka (wobei das eine mit dem anderen wenig zu tun hatte). Oder wenn Deniz Jaspersen seinen spontanen Blackout am Mikro mit der witzigen Frage rettet: „Kennt ihr den Text? Also ich nicht!“ Und wenns mal nicht weitergeht, füllt eben grinsend Gitarrist König Wilhelmsburg die Lücke mit einem gequikten „Verdammt ich lieb dich“-Solo. Schließlich erntet sogar Merch-Betreuer Sönke begeisterte Sprechchöre für seinen Kurzauftritt als er „eine Mandoline imitiert“ – aaah jaaa… Kurzum: An diesem Abend hätten die Jungs auf der Bühne quasi alles machen können – sie wurden einfach nur gefeiert. 

Copyright: Heike Schmidt (Zweikanal Music)

Ein bisschen zu kurz kamen bei all dem Adrenalin (Wiedersehensfreude?) die leisen Töne, die die Band ja tatsächlich auch beherrscht (Anspieltipp: Herrenmagazin unplugged bei tvNoir – aus einer anderen Zeit, ok, aber immer noch schön). Und auch wenn die eigentlich durch ihre melancholischen Texte so besonderen Stücke „Keine Angst“ und „Frösche“ diesmal v.a. punk-rockig daherkamen – dass fast das gesamte Wagner die Texte mitsingen konnte, machte diesen Teil des Konzertes dann doch wieder zu etwas besonderem.

Gestartet war der Abend übrigens ganz besonders leise: Mit (wenn ich mich nicht täusche) einer Aufnahme von Marlene Dietrich mit „Wenn ich mir was wünsche dürfte“ von Paul Hollaender. Der in den 1930ern geschriebene Text beschreibt, dass es immer auch die schlimmen Momente braucht, um die schönen zu erkennen und zu genießen. Ein Gedanke, den Frontmann Deniz später wieder aufgreift mit seinem Fazit vor der letzten Zugabe: „Wenn es immer so schön wäre, wäre es heute nicht so schön.“ Ach was! Wenn es immer so schön wäre – wir hätten irgendwie nichts dagegen. Und wenn wir uns was wünschen dürften: Mehr Abende wie diesen.

Eure Sandra

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