Großer Sound auf kleiner Bühne: Naked Lunch im Naumanns Tanzlokal Leipzig

-geschrieben von Sandra –

Naked Lunch l 05.02.26 l Naumanns Tanzlokal in Leipzig

Es soll ja – neben Wein – auch Menschen geben, die im Alter immer besser werden. Sehr wahrscheinlich trifft das auch auf Oliver Welter zu, Frontmann von Naked Lunch, die Heike und ich am 5. Februar im gemütlich-kleinen Saal von Naumanns Tanzlokal in Leipzig erleben durften. 

Wenngleich er uns äußerlich irgendwie an Helge Schneider erinnerte, versprühte der fast 60-Jährige quasi vom ersten Moment an eine enorme Energie und faszinierende Bühnenpräsenz. Er zeigte stimmlich und musikalisch eine ziemliche Bandbreite von starkem gitarrenlastigen Rock über mit der Loop-Maschine ergänztem Elektro bis zu ergreifenden Balladen, begleitet nur von einer Melodiegitarre oder stimmlich untermalt von Bassistin Romana Jakovcic. Und zwischendrin blieb dem in Wien lebenden Singer/Songwriter sogar noch Puste für gutmütige Scherze („Nehmt Rücksicht, ich gehe auf die 100 zu…“), viel Lob für die Bandkollegen („sie haben eine leere Bandhülle wieder zurück ins Leben geholt“) und Dank ans Publikum („ich freue mich über jedes Konzert, in dem ich in diese an Freude so arme Welt hinausgehen und etwas zurückgeben kann“). 

Copyright: Heike Schmidt (Zweikanal Music)

Kurzum: wir hingen bei dem fast zweistündigen Konzert regelrecht an seinen Lippen – auch wenn Welters österreichischer Dialekt seinen unheimlich großen Worten nicht selten eine gewisse Situationskomik verlieh. 

Aber wir waren ja wegen der Musik da. Und da lieferte neben dem stimmlich starken und überraschend variablen Oliver Welter vor allem seine Band absolut ab! Besonders begeistert hat mich Gitarrist Wolfgang Lehmann, der sein Instrument quasi mit allem bespielte, was sich auf der Bühne so finden ließ: Von den zahlreich vom Publikum spendierten Bierflaschen unterschiedlichster Form und Größe, über Bleistifte und Drumsticks bis hin zu Nagelfeilen (?). Und wenn gerade kein Requisit zu finden war, spielte er seine Gitarre eben in jeglich denkbarer Körperhaltung und bediente nebenbei noch die Loopmaschine oder steuerte anderweitig Soundeffekte bei. Keyboarder Boris Haupt verlieh manchen ruhigen Songs mit seinem Saxophon einen jazzigen Einschlag und improvisierte sich in die rockigen Nummern kraftvoll hinein. Da wollte wohl auch Schlagzeuger Alex nicht zurückstehen und überraschte mit einer vierhändig am Keyboard gespielten Pianonummer. Das alles verschmolz zu einem starken, energiegeladenen, mitreißenden Sound, der eindeutig eine größere Bühne (und eine stabilere Technik) verdient hat! @Kulturarena: ich hoffe, ihr seid in Kontakt?! 😉

Copyright: Heike Schmidt (Zweikanal Music)

A propos Musik: Als Band-Newby kann ich natürlich nicht beurteilen, ob – wie von Welter angekündigt – alle „Naked Lunch Gassenhauer“ zu hören waren. Mir jedenfalls ist „The Sun“ mit seinem mega-starken Intro im Ohr geblieben, habe mich bei „We Could Be Beautiful“ an die Stimme von U2-Frontmann Bono erinnert gefühlt, war bei „In the Dark“ tief bewegt und bei „Come Into My Arms“ unheimlich gerührt, habe mich bei „To All And Everyone I Love“ mit-gemeint gefühlt und bei „Military of My Heart“ und „Closed Today“ ausgelassen getanzt. Ein toller Abend, der eindeutig ein größeres Publikum verdient gehabt hätte. So blieb es bei einer Art Wohnzimmer-Atmosphäre mit wohl nicht mal 100 Zuhörern. 

Auf nach der zweiten Zugabe noch weitere Musikwünsche reagierte Frontmann Welter übrigens schelmisch-charmant mit „Ja, stimmt, Scheiße, das ist ja auch so toll“. Fortsetzung also unbedingt nötig. Wir sind gespannt.

Eure Sandra

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