Kraków Loves Adana​ – Cineastische Melancholie als roter Faden

Kraków Loves Adana​ – Album-Release – Songs After the Blue – VÖ 06.04.2018

geschrieben von Torsten Arndt 04.04.2018

Es soll ja Menschen geben, welche hier recht regelmäßig mitlesen. Das ist schon wahnsinnig toll, danke dafür! Und wenn diese lieben Leser dazu auch noch durch intrinsische Aufmerksamkeit glänzen – was dann noch gigantischer wäre – werden sie feststellen, dass ich über die Hamburger Band Kraków Loves Adana​ bereits schon einen begeisternden Review und eine liebevolle Rezension geschrieben habe. Für den Gedächtnis-Return empfehle ich den American Boy.

Ihr 2017er Album Call Yourself New ist eben gerade noch durch die Musikkanäle geschwappt, da befindet sich der neue Longplayer Songs After the Blue schon in den Startblöcken. Kraków Loves Adana​ – das sind Deniz Çiçek (Gesang, Gitarre) und Robert Heitmann (Gitarre, Bass, Keys) – schieben damit eine weitere musikalische Ausprägung, bestehend aus ihren persönlichen Erlebnissen und Gedanken, ins Volk.

Mit persönlichen Gedanken sind in erster Linie die von Frau Deniz Çiçek gemeint. Das von Ihr in Eigenregie aufgenommene Album sinniert über Ängste, Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen einer Kreativen im Kontext zu den blockierenden Realismen unserer Zeit. Diese Vehemenz, in Melancholie gegen innere und äußere Mauern zu rebellieren, zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Dort wo Mauern scheinbar unüberwindbar sind, spendet sie Trost und gibt Inspiration weiter. Dieses Album ist anders. Anders als Call Yourself New. Elektronischer, poppiger, cineastischer, düsterer.

New Wave cineastisch

Bereits Rapture kreist in meinen Gedanken als Soundtrack eines Neo-Noir-Klassikers. In welchem wortkarge Schauspieler musikalisch charakterisiert werden. Hier kommen meine Gedanken in Fahrt.
Acht Songs umfasst das neue Album von Kraków Loves Adana​. Verzerrte Gitarren treten in den Hintergrund und werden teilweise durch 80er Jahre Synties ersetzt. Stakkato artige Drums ziehen sich ebenso quer durch die Songs, wie wabbernde New Wave Anleihen. Wie bereits erwähnt, das neue Album ist eben anders. Was allerdings auch in den neuen Songs zieht wie ein Pferd, ist das überzeugende tiefe Timbre von Frau Çiçek, welches unerschütterlich in ihren Liedern Fragen an das Leben richtet. Hört dazu Hamburg. Diese Stimme ist absolut unverkennbar, voller Spannung, aber auch Schwermut.

The Day the Internet died passt für mich mit dieser Mischung, dieser Reduzierung der Instrumente und der stimmlichen Traurigkeit gut in Klassiker wie Lars von Triers Melancholia oder Herrn Refns Drive. Ich bin mir gar nicht sicher, ob diese cineastische Ausprägung gewollt ist oder ob diese durch die Kombination Stimme, Stimmung, Instrumente zufällig entstanden ist. Vielleicht übernimmt auch nur meine Fantasie diese Projektion hin zu filmischen Referenzen.

Kraków Loves Adana​ live in Konzert

Am besten frage ich sie im April selber, denn Kraków Loves Adana​ gehen auf Tour, werden Dresden wieder bespielen und im Sommer beim heiß geliebten Alinae Lumr Festival dabei sein.

Es ist ein deutlich ruhigeres, düsteres und nachdenklicheres Werk als ihre Vorgänger. Es bietet hin und wieder die Möglichkeit beharrlich in Selbstmitleid zu versinken, Klage zu sprechen in einsamen Momenten, aber auch Energie aufzusaugen und mitzunehmen gegen die Widerstände des Lebens.

Hier die Tourdaten:
6. April – Hamburg – Molotow (Releaseshow)
7. April – Aachen – Raststätte 
13. April – Hannover – Hafven (mit Wy)
14. April – Jena – Café Wagner (mit Wy)
17. April  – Dresden – OstPol (mit Wy)
21.Apirl – Posen (PL) – Enea Spring Break Festival 
11. Mai – Aarhus (DK) – SPOT Festival
27. Mai  – Münster – Pension Schmidt 

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